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Buchübersicht

- A -    Klima- Änderung-Aspekte


Einleitung


Der furchtbarste Krieg der Menschheits-Geschichte schien bereits im Sommer 1939 unvermeidlich. Alle Versuche des englischen Premier-Ministers Neville Chamberlain, Hitler zu überzeugen, Frieden zu bewahren, waren vergeblich. Die Gefahr von Klimaveränderungen gehörte zwar nicht zum Argumentationsarsenal von Chamberlain, aber auch das hätte den deutschen Diktator wohl nicht zur Vernunft bringen können.  Hitler wollte einen Krieg und begann ihn am 1. September 1939. Der Krieg dauerte sechs Jahre und bewirkte eine vier Dekaden dauernde  globale Klimaveränderung.


Bei diesem Buch geht es darum, den Beweis zu führen, dass die Seekriege auf den  großen und kleinen Meeren unser Klima nachhaltig beeinflusst haben. Es befasst sich  insbesondere mit den zwei großen Veränderungen, die durch den Menschen in zwei Weltkriegen verursacht wurden und die beiden dramatischsten Klimaverschiebungen im letzten Jahrhundert bewirkten. Die markanteste von beiden wurde durch den Zweiten Weltkrieg verursacht.


Rund 50 Millionen Menschen starben durch diesen Krieg vor fast 70 Jahren.. Die Infrastruktur und Wirtschaft vieler Länder wurde zerstört. Weitere dramatische Ereignisse, die die Veränderung des Klimas betrafen,  wurden allerdings bis heute nicht ernsthaft diskutiert. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges (WWII) ging eine bis dahin sehr warme Phase von zwei Dekaden zu Ende, wechselte über in eine kalte Klimaphase, die vier Jahrzehnte andauerte. 


Heute - über ein halbes Jahrhundert später - wird von prominenten Politikern und Wissenschaftlern erklärt, dass Klimaveränderungen die größte Gefahr für die Menschheit seien. Ihre Begründung: Durch die Industriegesellschaft würde der Anteil an Karbondioxyde (CO2) in der Atmosphäre vergrößert. Dies wirke wie ein gläsernes Treibhaus und erhöhe die Lufttemperaturen. Erst vor kurzem bekräftigte der Britische Premier-Minister Tony Blair erneut, dass derzeit keine größere Frage die gesamte Menschheit bedrängt, als die Bedrohung durch Klimaveränderungen, die auch er  durch erhöhte CO2 -Werte befürchtet. 


Goethe hätte dem sicherlich zugestimmt, nachdem er in seinem Tagebuch „Italien Reise“ festgehalten hatte: 

„Hat man sich nicht ringsum von Meer umgeben gesehen,
so hat man keinen Begriff von der Welt
und seinem Verhältnis zur Welt.“


Die Beweise liegen auf der Hand, man muss sie nur erkennen und aufheben: So verursachte bereits der Seekrieg zwischen 1914 und 1918 eine große Klimaveränderung. Hätte die Wissenschaft bereits vor 150 Jahren erkannt, dass man in den Meeren die treibende Kraft des Klimas sehen muss, wäre es bereits vor Ausbruch des Ersten, aber besonders des Zweiten Weltkrieges 1939 möglich gewesen, auf die Gefahren einer Klimaveränderung durch einen Seekrieg hinzuweisen. 


Das internationale Konfliktmanagement hätte sicherlich anders ausgesehen, wenn die führenden Staatsmänner des 20. Jahrhunderts die Wirkung von kriegerischen Handlungen auf Ozeane und Meeren gekannt hätten. Möglicherweise wäre wenigstens der Zweite Weltkrieg verhindert worden, hätte man schon damals die Befürchtungen um das Klima so ausgesprochen, wie sie heute täglich verbreitet werden. 

 

Aber während der vergangenen 150 Jahre gab es niemanden, der die Krieg führenden Parteien darauf aufmerksam gemacht hätte, dass bereits das Auslaufen kampfbereiter Kriegsmarinen auf die offene See unweigerlich den Zustand von Meeresbereichen veränderte  - und damit zwingend auch das Klima. 


So trat das Unvermeidliche prompt ein: Nur sechs Monate nach Kriegsbeginn,   im Januar und Februar 1940 befand sich Nordeuropa im kältesten Winter seit mehr als 100 Jahren. Polare Kälte lag über dem Alten Kontinent wie man es seit der Kleinen Eiszeit des 18/19. Jahrhunderts nicht mehr erlebt hatte. Weder die Wissenschaft noch die führenden politischen Köpfe hatten eine Vorstellung von der Verbindung zwischen der arktischen Kälte und dem Krieg.   


Man kann es nur als Ironie des Schicksals werten,  dass Hitlers Stellvertreter und Chef der Luftwaffe, Hermann Göring, in einer öffentlichen Rede am 15. Februar 1940 auf die extrem kalten Wetterbedingungen mit folgender Behauptung einging, mit der er die Kampfmoral der deutschen Bevölkerung heben wollte:

 

Die Natur ist immer noch stärker als der Mensch.
Ich kann gegen Menschen kämpfen aber nicht gegen die Natur,
wenn ich nicht über die Mittel für so einen Kampf verfüge.
Wir haben nicht um Eis, Schnee und Kälte gebeten –
Eine höhere Gewalt hat sie uns gesandt. 


(Zitiert nach The New York Times, 16. Feb.1940 )


Göring lag mit dieser Auffassung natürlich falsch. Extremes Eis, Schnee und Kälte waren unmittelbare Folge des Seekrieges in Nord- und Ostsee. Die Nazi-Führer waren allein verantwortlich für die plötzliche Veränderung sowohl des regionalen wie des globalen Klimas. Da der Krieg noch weitere fünf Jahre dauerte und mit dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbour im Dezember 1941 auch globale Dimensionen erreichte, registrieren wir nicht nur drei extrem kalte Kriegswinter 1939-1942 in Nordeuropa , sondern auch eine globale Abkühlung die von 1940 bis 1980 über vier Dekaden wirkte. Denn die Seekriege in  Nordatlantik und Pazifik waren großräumig. Gewaltige Wassermassen wurden umgeschichtet und sorgten für eine langfristige Wirkung.   


Dabei sollte nicht übersehen werden, dass vermutlich bereits mit der Verwendung von schraubengetriebenen Seeschiffen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts klimarelevante Einflüsse hervorgerufen wurden. Regelmäßig sind über 10 000 Handelsschiffe auf den Meeren unterwegs, die eine Strecke von mehr als 10.000.000 Seemeilen täglich zurücklegen. Da die Meere hervorragende Wärmespeicher sind, ‚pflügt’ jedes einzelne Schiff mehr Wärme in die Tiefen der Meere hinein als gespeicherte Wärme über die Oberfläche abgegeben wird –   dadurch erwärmt sich letztlich auch die Atmosphäre.


Dieser einfachen Tatsache hat die Wissenschaft bisher wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Auch dieses Buch wird diesen Ansatzpunkt nur beiläufig behandeln, um sich voll auf die beiden großen Seekriege von 1914 bis 1918 und von 1939   bis 1945 zu konzentrieren; eine Zeit, als Küstenmeere und Ozeane zu Schlachtfeldern gemacht wurden. Es wurden über viele Monate hinweg an unzähligen Routen und Orten ständig riesige Wassermassen ‘umgeschlagen”, durch Geschützfeuer, Bomben, Torpedos, Wasserbomben, Seeminen und jede Schiffsfortbewegung. So wie gut temperiertes Badewasser fürs Baby durch Umrühren erreicht wird.


Dieses Buch will zeigen, das die Seekriegshandlungen in beiden Weltkriegen im vollen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang mit den beiden einzigen statistisch relevanten Klimaveränderungen zwischen den Jahren 1900 und 2000 stehen: Die erste begann im Jahr 1918 mit einer sprunghaften Erwärmung   der nördlichen Atmosphäre, die bis Ende 1939 anhielt. Der zweite Klimaumschwung ist seit Ende 1939 in den Temperaturkurven klar als Kehrtwende in eine Kaltphase zu erkennen, die bis in die frühe 1980er Dekade anhielt. Selbst das Ende dieser Kaltperiode kennzeichnet nicht notwendigerweise den Beginn einer eigenständigen Warmperiode, da es sich ebenso gut um die Fortsetzung der Warmperiode  von 1918-1939 handeln kann, die durch die Wirkung von WWII lediglich unterbrochen wurde. Keinesfalls kann ein Zusammenhang von vornherein ausgeschlossen werden.  


“Alleswird durch Wasser erhalten!, steht in Goethes Drama Faust II. Die globale Natur auf diese Weise zu verstehen, muss auch im Bereich der Klimaforschung reflektiert sein. Goethe hätte sicherlich einer Beschreibung zugestimmt, dass das Klima  als die Fortsetzung der Meere mit anderen Mitteln definiert werden kann [1] . Wir werden sehen, Wasser ist die Essenz die Klima macht und die Erde ist ein Wasserplanet. In diesem Buch finden Sie die Fakten, die Zusammenhänge und die Beweise für den Zusammenhang zwischen der Wirkung von Seekriegen auf unser heutiges Klima. Die auf den kommenden  Seiten zusammengetragenen und erläuterten Daten erschließen neue Bewertungsansätze zum Thema Klima, die begründet sind auf der Überzeugung, dass nur derjenige, der die ewige Kraft der Meere auf unsere globale Natur anerkennt, in der Lage ist, die die Natur treibende überragende Kraft zu erkennen, nämlich die Meere, die letztlich auch das Wetter und Klima kontrollieren.  





[1] Arnd Bernaerts, Letter to Editor, NATURE, Volume 360, 26 November 1992, page 292; Arnd Bernaerts, Meer, Klima und Seerecht, HANSA-Schifffahrt, 1993, Seiten 15-19; derselbe:  “Legal Means for Understanding the Marine and Climatic Change Issue”, in: Thomas A. Mensah (ed.), Ocean Governance:Strategies and Approaches for the 21 st Century, Honolulu 1994, pp. 157f. 



Weltkugelfoto von der Nasa