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Spitzbergen – der Temperatursprung -1918

Die signifikanteste Klima-Veränderung während des 1. Weltkrieges ereignete sich auf Spitzbergen. Um genau zu sein, der Wärmeknall in Spitzbergen war der markanteste globale Klimasprung der letzten zweihundert Jahre. Dort, auf der einsamen Inselgruppe zwischen Nordkap und  Nordpol, explodierten Ende 1918 buchstäblich die Temperaturen. Schon 1930 sah der norwegische Wissenschaftler B. J. Birkeland[1] darin den größten Temperatursprung, der je gemessen wurde. Birkeland war allerdings auch der Erste, der diesen Temperatursprung  -10 Jahre nach dem Ereignis – wahrnahm, bzw. publizierte.

Der sich als sehr beständig erweisende Temperaturanstieg dauerte in Europa bis zum ersten Kriegswinter 1939/40 und ist bisher von der Wissenschaft nicht plausibel erklärt worden. Wenn sich die Wintertemperaturen plötzlich im Durchschnitt um 8 Grad erhöhen, hätte sich eine intensive Erforschung dieses Phänomens eigentlich von selbst verstanden. Allein, die Wissenschaftler der 1930er Jahre sahen nur staunend zu. Dabei hätte man auch vor über 85 Jahren bereits das Instrumentarium gehabt, eine überzeugende Erklärung zu finden.

In dieser Untersuchung ist bereits ausgeführt worden, dass es vor dem Winter 1918/19 keine großen Natur-Katastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Sonnenflecken oder Meteoriten-Einschläge gab  -  nur der Seekrieg brachte die Meere um England und der Nord- und Ostsee aus dem natürlichen Gleichgewicht.

Die Erwärmung Spitzbergens und weiterer Gebiete in Nordeuropa hielt genau 20 Jahre an - in Grönland (Das Grünen von Grönland) nur von 1920 bis 1933.  Diese Beständigkeit ist ein untrügliches Indiz dafür, dass dieser Wärme-Schub im nördlichen Nordatlantik im Bereich zwischen den Färöer Inseln und südlich des Arktischen Meers generiert worden sein muss.

Die Nachhaltigkeit der Erwärmung lässt einen sicheren Rückschluss zu, aus  welcher Richtung die Wärme gekommen sein muss. Dabei  können alle Seegebiete um Spitzbergen ausgeschlossen werden - mit Ausnahme der Norwegischen See (Europäisches Nordmeer). Die Barents See östlich von Spitzbergen verfügt mit einer durchschnittlichen Wassertiefe von nur 300 Metern über zu geringe Wassermassen, um eine Erwärmung aus eigner Kraft über viele Jahre aufrecht zu erhalten. Das Arktische Meer nördlich von Spitzbergen ist zu kalt und permanent mit Eis abgedeckt. Und die Grönland See erhält ihren Wassernachschub vom Europäischen Nordmeer -  und zwar vom subpolarem Nordatlantik über den Golfstrom, dem Norwegen Strom und schließlich dem Spitzbergen Strom. Das erklärt die Verzögerung der Erwärmung an Grönlands Küsten um knapp zwei Jahre.  Sie begann nicht im Winter 1918/19 sondern erst ab Ende 1919.

Bleibt also die Norwegische See als „Heizkraftwerk“ für die Inselgruppe im Norden. Und dann kommt man schnell darauf, dass südlich davon der große Seekrieg im 1. Weltkrieg tobte. Der größte Teil der vom Süden nach Norden strömenden Wassermassen passiert Großbritannien, bevor sie zum Norwegen Strom werden. Der größere Teil fließt westlich von Irland und Schottland nach Norden, der kleinere Teil kommt aus der Nordsee. Die Distanz zwischen Schottland und Spitzbergen beträgt nur 2000 Kilometer, die von den Strömungen in wenigen Wochen bewältigt wird. Insoweit sind die Seebereiche um Schottland

und Spitzbergen wie nahe Nachbarn. Berücksichtigt man darüber hinaus besondere Verhaltenweisen von Seewasser, wie im folgenden Überblick dar-gestellt, kann man ihre Nähe – betrachtet als physikalische Abhänigkeit - noch stärker herausstreichen.



[1] Birkeland, B.J.; ‘Temperaturvariationen auf Spitzbergen’, Meteorologische Zeitschrift, Juni 1930,  p.234-236

 


Weltkugelfoto von der Nasa