zur Stratseite

Buchübersicht

 

Europas nördliche Meere

 

Die Nordsee

Einerseits ist die Nordsee wie eine große Bucht Teil des Nordatlantiks, andererseits schneidet sie eine tiefe Kerbe in die Landmasse des Kontinents. Auf das Klima wirkt sich das wechselnd aus, weil die Nordsee weder nur maritim, noch nur kontinental wirkt. Gleichwohl sorgt ihre geographische Lage dafür, dass westliche Winde auf einer Breite von 2000 km vorherrschen und für ein gemäßigtes und feuchtes Klima sorgen
.

Großbritannien, Europas westlichster Vorposten im Atlantik, ist besonders vonatlantischen Tiefdruckgebieten betroffen: Zwischen den vorherrschend auftretenden Tiefdruckgebieten, schafft es ein kleines bewegliches Hochdruckgebiet, regelmäßig, schöne Wetterperioden zu bringen. Mitunter setzt sich aber auch ein großes Hoch fest, das dann den üblichen Weg von Tiefdruckgebieten blockiert. Es kann sich mitunter sogar auch für einen ganzen Monat halten und ändert das englische Wetter hinsichtlich Nässe, Wind und Wolken vollständig. Liegt das Hoch über Skandinavien, dann wird manchmalsehr kalter Wind bis nach England gelenkt. Wann was geschieht und möglich ist, wird vom Ist-Zustand der Nordsee (& Ostsee) mit entschieden. 


Ausschlaggebender Faktor für den Einfluss von Meeren und Seen auf das Klima sind die Wasser-Temperaturen und der Salzgehalt an der Oberfläche und in darunter liegenden Schichten - über mehrere Lagen Wassertiefe.Das sind variable Größen in einem Randmeer wie der Nordseeund hängt von der jeweiligen Jahreszeit ab. Durch den engen Zusammengang zwischen Luft- und Seewassertemperaturen sind die auslösenden Ereignisse im Herbst 1939 zu erklären.


Man muss die Nordsee in zwei Sektionen unterteilen: Die südliche Nordsee ist wie auf einem Plateau maximal 40 Meter tief und reicht bis zur Linie von Mittel-England (Hull) nach Jütland. Die nördliche Sektion ist das Dreieck zwischen Hull, Nord Dänemark und den Shetland Inseln. Die Wassertiefen schwanken zwischen 60 und 120 Meter - maximal 263 Metern. Ein Grabenentlang der norwegischen Küste ist bis 350 Meter, im Skagerrak sogar bis zu700 Meter tief. Warmes Wasser wird ständig vom Golfstrom zugeführt. der vom Norden in die Nordsee strömt unter Beeinflussung der dort herrschendenStrömungsverhältnisse. Die Südsektion wird davon kaum betroffen. Sie bekommt etwas Golfwasser über den Englischen Kanal und viel Süßwasser von großen Flüssen. Daraus ergibt sich eine breite Vielfalt der Wasserstrukturen der Nordsee. Da alle Nordseeküsten von Gezeiten betroffen sind, werden täglich große Wassermassen umgeschichtet.

 

Jährliche Temperaturänderungen in drei Abschnitten auf
einer West-Ost- Diagonale der Nordsee:


 

Nordseediagonale (England – Kontinent )

Wassertiefe

Südsektion

West/Ost

Mittellsektion

West/Ost

Nordsektion

West/Ost

 

Temperatur in °C

Oberfläche

10/12.5 °C

8/15 °C

6/10 °C

7.5 m

11/13 °C

8/15 °C

5.5/10 °C

20 m

11/13 °C

7/13 °C

5.5/8.5 °C

30 m

11 °C

6.5/12 °C

5/7.5 °C

40 m

-

6/11 °C

4.5/6 °C

60 m

-

4, 4 °C

4.5/3.5 °C

80 m

-

3, 5

4.5/1.5

100 m

-


4/1.5

 

Südsektion

Bedingt durch niedrige Wassertiefe und Gezeiten ist die Temperaturstruktur des Wasserkörpers von der Meeresoberfläche bis zum Meeresboden durch alle Jahreszeiten homogen -abgesehen von geringen zeitlichen Verschiebungen. Das lässt sich aus den Durchschnittstemperaturen ablesen: Dezember (8.5°C); Januar (6.5-7°C); Februar (5.5°C); März (5°C), April (6.5°C). Größere Abweichungen sind nur im Küstenbereich möglich.

 

Vom Mai bis August steigen die Temperaturen von 8.5°C auf 14.5°/17°C und verringern sich dann wieder in folgenden monatlichen Schritten: 

 

Tiefe

August

September

Oktober

November

Oben, West-Ost

14.5-17 °C

14-16 °C

12-13.5 °C

09°-10° (*)

20 m, West-Ost

14-16 °C

15-16.5 °C

13.5-14 °C

9.5-11 °C


(*) in der Mitte der Nordsee werden im Novembernoch11.5° gemessen

Durch die nahezu gleichen Temperaturwechsel über 40 Meter Wassertiefe- von 15°/16°C im August und bis März auf 5°C fallend- ergibt sich, dass die monatlichen Änderungen lediglich 1.5°C betragen.

Nordsektion

Im März liegen die niedrigsten Wasseroberflächentemperaturen im Nordwesten der Nordsee bei7°C (Atlantikwasser) bis zu 4.5°Can der holländischen Küste. Im August liegen die entsprechenden Werte auf der gleichen Achse zwischen13 und 17.5°C. Vom Mai bis August prägt sich eine vertikale Temperaturschichtung heraus, die sich über den Herbst wieder abbaut. Besonders interessant ist die Tatsache, dass sich die Temperatur beigeringerenWassertiefen(20 bis 40 Meter)im Herbst noch erhöhen kann. Sie verringert sich jedoch bei größeren Tiefen (60 Meter), die wiederum gegen Jahresende wärmer werden. Dadurch kann der gesamte Wasserkörper im September wärmer sein als er im August war. Daraus kann man sehr deutlich ablesen, dass der Temperaturabbau, bzw. eine Energieabgabe in der Regel nur in kleinen Schritten erfolgt. Von August bis März geht es lediglichum die Differenz zwischen 11°C und 4.5°C

Ostsee

Gemessen an ihrer Größe ist die Ostsee kaum ein Tropfen im Vergleich zur gewaltigen Masse derWeltmeere. Doch ihre ‚strategische’ geographische Lage machen sie zu einem bedeutenden Wetter-Regulator für die Anrainerstaaten. Die Ostsee ist ideal, um Klima-Entwicklungen zu studieren. 

Die Ostsee ist 400.000 Quadratkilometer groß und durchschnittlich 55 Meter tief. Im Bottnischen Meerbusen gibt es ein paar tiefe Stellen von bis zu 294 Meter, der Finnische Meerbusen ist höchstens 30 Meter tief. Die südliche Ostsee, ist mit Ausnahme der bis zu 114 Meter tiefen Bucht von Danzig (Gdansk) weniger als 50 Meter tief. Von besonderer Bedeutung für das regionale Klima ist der bis 2500 Meter hohe norwegische Gebirgszug-vom Skagerrak bis zum Nordkap. Er bildet einen mächtigen Wall zwischen maritimen und kontinentalen Einflussbereichen. Hinter dieser Barriere können kontinentale und polare Luftmassen leichter einströmen als westlich davon. Andererseits verhilft diese natürliche Trennwand den Ostseestaaten zu warmen, sonnigen Sommertagen, während die Ostsee Ankunft und Stärke von Winter-Temperatur-Stürzen verzögert. Wie eindrucksvoll das geschieht, lässt sich an keinem anderen Meer so gut demonstrieren. Solange die Ostsee nicht vereist ist, kann sicharktische Kälte nicht lange halten. Erst wenn sie zugefroren ist, gibt die Ostsee 10mal weniger Wärme ab als davor.

Der gewaltige Unterschied wird besonders deutlich durch geringere Wintertemperaturen je weiter man sich von der Küste entfernt. Es differiert  häufig pro 30-50 Kilometer um ein volles Grad Celsius, und kann auf 200-300 Kilometer sogar über 5° C betragen.


Von Mitte September bis Ende Februar, wenn die Luft kälter als das Ostseewasser ist, verringern sich die Wassertemperaturen zwischen 13°C und 15°C -also weit mehr als in der Nordsee (9.5 bis 11.5°C). Das bedeutet aber auch, dass die Oberflächentemperatur (im Norden0°C, im Süden 3°C)bereits im Januar der Vereisungsgrenze sehr nahe kommt. Wasserin 80 oder mehr Meter Tiefe ist permanent nur 4 bis 5°C warm, während die Temperaturen der darüber liegende Wassersäule entsprechend den Jahreszeiten variiert. Ende August erreicht die Oberflächen-Temperatur Höchstwerte. Im tieferen Wasser tritt der höchste Wert sechs bis acht Wochen später ein: In 40 Meter Tiefe mit 10 Grad Celsius erstim späten Oktober.

 

Der Beginn des Seekriegs im Herbst 1939 konnte daher Auswirkungen in zwei Richtungen haben:

 
  1. Das ständige ‚Umrühren’ des Oberflächenwassers erhöht, wie bei der Suppe, den Verdampfungsprozess
  2. Das Umschichten von Wassermassen bringt erhebliche Mengen warmen Wassers in größere Tiefen, die später wieder ‚auftauchen’ und zu einer wärmeren (als statistisch erwartet) Winterluft führt oder den Vereisungsprozess um Tage oder Wochen verzögert

Abwürgen der Westwinde

Das Wetter in Westeuropa wird die meiste Zeit des Jahres von Winden aus westlichen Richtungen geprägt: relativ warme Luft aus Tiefdruckgebieten, die sich mit Wasser aus den Meeren voll gesaugt haben. Dem stehen die Antizyklone gegenüber, die das Wetter mit hohem Luftdruck, sowie trockenen und kalten Luftmassen beeinflussen.

Das wird einem schnell klar, wenn man das Klima von Amsterdam und Moskau vergleicht. Beide Städte liegen auf dem selben Breitengrad, Holland hat kühle Sommer und milde Winter, bedingt durch den Golfstrom und die Nordsee. Moskau hat weniger Luftfeuchtigkeit und weniger Wolken und ist daher im Sommer mitunter sehr warm und im Winter sehr kalt.

Auch Norddeutschland und Südskandinavien mit Küsten an Nord-und Ostsee haben ein maritimes Klima - beeinflusst von den vom Atlantik kommenden westlichen Winden. Je weiter man auf dem Kontinent nach Osten geht, desto kontinentaler wird das Klima - mit jahreszeitlich bedingten,markanteren Temperaturausprägungen, also mit wärmeren Sommern und kälteren Wintern. 

Diese statistisch nachweisbaren Erwartungen wären im Winter 1939/40 auch eingetroffen. Aber der Beginn des Krieges warf alle langjährigen Berechnungen über den Haufen. Seit dem 1. September 1939 mischte eine gewaltige Seekriegsmaschinerie in der ewigen Auseinandersetzung zwischen Zyklonen und Antizyklonen mit. Tiefs und Hochs wurden unberechenbar. Die Wassertemperaturen in Nord- undOstsee bestimmten, ob das Wetter zur maritimen oder kontinentalen Lage neigte. Es kam zurBlockierung der westlichen Winde, die Zentraleuropa schon nach wenigen Kriegswochen nicht mehr beeinflussen konnten.

Weltkugelfoto von der Nasa